Yin Yoga

Yin Yoga

Ich kann mich noch sehr gut an meine allererste Yin Yogastunde erinnern. Es war im April 2017 in Goa, Indien – meinem ersten Yoga Retreat, an dem ich teilnahm.

Ich kam am Vormittag im Bamboo Yoga Retreat nach einer sehr langen Anreise an. Nach dem frisch machen und einem kurzen Power Nap (Mittagsschlaf) hab ich mir fest vorgenommen gleich am späten Nachmittag noch die Yogaklasse mitzumachen.

„Yin Yoga“ stand auf dem Plan. Ich wusste nicht was das ist und was mich erwartete aber ich war wie immer neugierig und offen und bin hingegangen. Nachdem ich mich an die Unterrichtssprache Englisch gewöhnt und mich reingehört hatte, ging es auch schon los. Es war eine Hüftöffner Stunde. Hüftöffner gehörten nicht gerade zu meiner Lieblingskategorie, schon gar nicht nach so einer anstrengenden Anreise, die mir noch in den Knochen steckte.

Also gut, erste Asana: der Frosch (die Beine sind angewinkelt nach links und rechts außen abgelegt und man versucht seinen Oberkörper auf dem Boden abzulegen, sodass man Dehnung an den Oberschenkelinnenseiten erfährt)

Ich konnte es mir dank Hilfsmitteln wie Decken, Kissen und Blöcken „bequemer“ machen, denn die Vorstellung ist das Ganze eher passiv zu halten um besser loslassen zu können.

Und dann hieß es nur noch halten und atmen, halten und atmen, halten und atmen usw.

Wie lange? Mindestens 3 Minuten, gefühlt war es eine Ewigkeit.

In meinem Kopf rasten die Gedanken hin und her. Ich führte Krieg mit mir selbst und das ging die komplette Stunde durch in jeder Asana. Wann ist die Zeit vorbei? Wann kann ich da endlich raus? Warum tut das so weh? Warum kann ich mich nicht entspannen? Warum kann ich nicht loslassen? Bin ich wirklich so steif und verkürzt? Okay ich muss noch mehr Yoga machen. Warum sieht das bei den anderen so entspannt aus und warum kommen die so tief? Warum klappt das bei mir nicht? Will ich wirklich gerade hier sein? Ich hab gedacht Yin Yoga wäre was ganz anderes. Ich find Yin Yoga echt blöd und schmerzvoll und es tut weh, warum tut das so weh? Ich will das nicht.

Meine erste Yin Stunde war die Hölle für mich 😊 Meine zweite auch. Die dritte habe ich wieder in Deutschland genossen und fand es schon nicht mehr so schlimm. Ich habe echt meine Zeit gebraucht um mich mit Yin Yoga anzufreunden.

Yin Weiterbildung

Im Sommer 2018, also gut ein Jahr später, habe ich eine Yin Yoga Weiterbildung gemacht um nicht nur praktisch sondern vor allem theoretisch tiefer einzutauchen. Ich wollte auch verstehen, was da passiert in meinem Körper wenn ich Positionen so lange (3-5 Minuten oder auch länger) halte, warum das gut sein soll und warum mir in meiner ersten Stunde alles weh getan hat.

Yin Fakten

Yin Yoga wurde bekannt durch Paul Grilley und soll ein Ausgleich sein zu den eher Yang – orientierten Yogastilen wie Ashtanga, Vinyasa, Power Yoga etc., die sehr kraftvoll und dynamisch sind.

Ich habe erfahren, dass Yin Yoga eher auf die tieferen Schichten wie Faszien, Bindegewebe, Bänder, Sehnen und Gelenke wirkt und nicht so sehr auf die Muskeln. Wenn Faszien (feine, zähe bindegewebige Häute, die die Muskeln und Organe umhüllen und Muskeln voneinander abgrenzen) verkleben, also das Fasziengewebe seine stabile und zugleich geschmeidige Struktur verliert und verhärtet, dann kann es eben etwas schmerzhaft sein diese wieder zu lösen und geschmeidig zu machen. Faszien wieder geschmeidig machen ist ein Prozess und ist nicht mit einer Yin Stunde oder einem Faszientraining getan.

 

Meine Erfahrung zeigt mir, dass es manchmal ganz gut ist Dingen noch eine Chance und vielleicht noch eine Chance zu geben auch wenn sie einem auf den ersten Blick so gar nicht gefallen haben. Im Endeffekt hat es mir gut getan und tut es immer noch. Und auch das Kopfkino und der innere Krieg werden nach und nach leiser und verklingen. Mir hat auch geholfen, dass ich das Thema nochmal theoretisch angegangen bin und hinterfragt habe um überhaupt zu Verstehen.

 

Namasté, Lisa

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.